„Hamburg nimmt europaweit eine Vorreiterrolle ein“

Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende der Freien und Hansestadt Hamburg; Foto: BVM
Hamburg ist Gastgeber des UITP Summit 2025 – was bedeutet das für die Stadt und welche Impulse erhoffen Sie sich für den öffentlichen Verkehr?
Anjes Tjarks: Hamburg war historisch betrachtet schon seit seiner Gründung ein Verkehrsknotenpunkt mit der gleichermaßen schönen wie herausfordernden Aufgabe, den Sprung über Alster und Elbe verkehrlich zu bewältigen. Verkehrsfragen spielen seit jeher eine große Rolle. Hamburg ist heute eines der wichtigsten Schienen-Drehkreuze Nord-Europas und wurde vom Bund zur Metropolmodellregion Mobilität ernannt. Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir hier moderne, urbane, nachhaltige Mobilitätsangebote für Hamburg und die Metropolregion. Ziel ist es, dass künftig alle Hamburger:innen und Hamburger binnen 5 Minuten Zugang zu einem öffentlichen Verkehrsangebot haben. Dafür wollen wir die Digitalisierung und Automatisierung nutzen und einen modernen Mobilitätsmix anbieten aus emissionsfreiem Bus, digitalisierter Bahn, Hybrid-Fähren, Ridepooling, Carsharing, Mikromobilität und Barrierefreiheit und Mikromobilität. All das wollen wir als weltoffene Stadt beim UITP-Summit Gästen aus aller Welt vorstellen und mit Experten aus der Branche diskutieren. Neben dem Austausch freuen wir uns auch auf Ideen und Erfahrungen aus anderen Metropolen und auf Impulse für den Mobilitäts- und Wirtschaftsstandort Hamburg sowie Deutschland. Denn dass der Bund, die EU sowie Mobilitätsunternehmen in Hamburg in neue Technologien und die Mobilität der Zukunft investieren, sei es beim Bau der automatisierten U5, der Digitalisierung der S-Bahn oder dem autonomen Fahren, zeigt auch, dass Hamburg ein wichtiger Mobilitätsstandort ist, in den es sich zu investieren lohnt und von dem eine ganze Region profitieren wird.
Während des Summits werden 17 Leuchtturmprojekte präsentiert. Welche Rolle spielt Hamburg aus Ihrer Sicht als Modellstadt für die Zukunft des ÖPNV?
Anjes Tjarks: Hamburg ist in vielen Bereichen Vorreiter, wenn es um digitale, urbane Mobilitätsangebote geht – sei es bei der Digitalisierung der S-Bahn, dem Bau und Betrieb der vollautomatisierten U5, die nach Fertigstellung über 100 Millionen Menschen jährlich durch Hamburg befördern wird, das autonome Ridepooling in der Innenstadt, aber auch im äußeren Stadtgebiet, oder die Bündelung von Mobilitätsangeboten und Daten auf einer Plattform wie hvv switch. Dabei sitzen wir nicht im „Elfenbeinturm“, sondern wollen unsere Erfahrungen und das Know-How unserer Verkehrsunternehmen und des zweitgrößten Verkehrsverbundes Deutschlands, dem hvv, mit anderen großen Städten und Metropolregionen austauschen, um Impulse geben zu können für die Weiterentwicklung öffentlicher Verkehrsangebote in ganz Deutschland.
Autonomes Fahren, Ride-Pooling, Digitalisierung – auf welche Innovationen aus Hamburg können sich die Gäste beim UITP Summit freuen? Und: Der UITP Summit bringt die wichtigsten Entscheider der Branche nach Hamburg. Welche Themen sollten/werden auf der globalen Agenda für den öffentlichen Verkehr ganz oben stehen?
Anjes Tjarks: Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr noch stärker an den täglichen Mobilitätsbedürfnissen der Menschen ausrichten, smarter und komfortabler machen. Dafür muss der ÖPNV noch datengetriebener werden, indem die Fahrgäste – etwa auf ihren Smartphones – live mitverfolgen können, wo sich ihr Bus gerade befindet und auch Vorschläge zu in der Nähe gelegenen alternativen Mobilitätsangeboten erhalten, inklusive Reisezeitberechnung zu ihrem individuellen Ziel. Das wollen wir beim UITP ebenso vorstellen wie die vollautomatische U5 oder das Projekt „U100 für die Linie U2/U4“, in dessen Rahmen die Züge digital so miteinander kommunizieren, dass auf bestehender Strecke alle 100 Sekunden eine U-Bahn fahren kann. So werden für die Fahrgäste Fahrpläne oder das hektische Erreichen eines Zuges quasi obsolet. Es kommt im Prinzip immer sehr zeitnah eine Bahn. Ebenso wollen wir die Fortschritte beim autonomen Ridepooling vorstellen: Nachdem wir 2024 Moia und hvv hop ausgerollt und in die Fläche gebracht haben, sollen in diesem Jahr im Stadtzentrum, aber auch in der äußeren Stadt in Harburg die ersten autonomen Fahrzeuge unterwegs sein. Dann sollen auch erste Testgruppen mitfahren und ihr Feedback geben können. Gemeinsam mit unseren Partnern von Moia, VW, Bund, Hochbahn, der vhh, IAV und eVersum wollen wir ab Mitte 2025 einen weiteren wichtigen Schritt gehen, um autonomes Ridepooling in Hamburg zu testen. Dabei schließen autonome Ridepooling-Angebote die Lücke zwischen den klassischen Bussen und Bahnen und dem eigenen PKW. Hamburg nimmt hier europaweit eine Vorreiterrolle ein.